Axalp zum Wildgärst

Wildgärst Trail Tour mit einem unerwarteten Verpflegungsposten

Eigentlich hätte es eine sonnige, schöne Alpentour werden sollen. Doch wie so oft im Leben muss man sich mit dem zufriedengeben, was es einem bietet. So starte ich um 6:30 Uhr in tiefhängenden Wolken. Die Temperaturen sind kühl, ich bin unausgeruht und unausgeschlafen – eigentlich nicht bereit für eine solche Tour. Aber hey… ich habe Zeit, eine schöne Strecke vor mir und so laufe ich dennoch voller Vorfreude los.

Bald erreiche ich die Axalp. Die Wolken werden immer dichter. In meinem Rucksack habe ich jede Menge Riegel, Gels und sonstigen Süsskram, ein paar Elektrolyttabletten sowie Regenschutz, Thermoleibchen, eine Rettungsdecke und 1.5 Liter Wasser. Hinter der Axalp geht es ein paar Kilometer angenehm flach dahin, bevor es so richtig anzieht und steil bergauf geht. Die Landschaft wirkt mystisch: Wolkenschwaden, grüne Alpwiesen und die letzten Bäume. Ich komme mir vor wie ein Charakter aus Herr der Ringe. Die ausgiebigen Regenfälle haben die Bäche anschwellen lassen, frisches Wasser sprudelt überall den Berg hinunter. Mit jedem Höhenmeter wird es kälter, bis ich schliesslich die Regenjacke hervorhole, um den Gipfelanstieg zu meistern. Die grünen Wiesen sind längst von Geröll, Schiefer und Schutt abgelöst. Eine karge, öde und dennoch faszinierende Landschaft auf 2500 m.

Mondlandschaft in der Nähe vom Wildgärst

Auf dem Wildgärst angekommen, begrüsst mich eine Gämse. Ansonsten bin ich umgeben von Weiss. Der Wind pfeift eisig kalt und ich wünschte, ich hätte die Handschuhe mitgenommen. Nicht gerade einladend für eine Pause, und so mache ich mich bald wieder an den Abstieg. Ein wenig trauere ich der schönen Aussicht auf den grünen Brienzersee nach, aber dieser war ja nicht der einzige Grund für die Tour. Der Wind und die Kälte laden nicht zum Verweilen ein, also nehme ich den Abstieg in Angriff – steil, technisch und daher nicht wirklich schneller als der Aufstieg.

Auf dem Gipfel vom Wildgärst

Die Landschaft wird wieder angenehmer, es wird grüner und vor allem wärmer. Unterdessen bin ich seit gut fünf Stunden unterwegs und mein Bauch beginnt langsam zu knurren. Zwar habe ich noch unzählige Gels, Riegel und Powerbars (rückblickend zuwenig, denn es waren gerade mal 1000 Kalorien), doch Appetit habe ich keinen. Ich bringe sie beim besten Willen nicht runter. Vielmehr sehne ich mich nach einem grossen Stück Pizza oder einem Burger – doch daran ist hier nicht zu denken. Es ist nicht das erste Mal, dass ich auf solche Probleme stosse. Bereits beim letzten Irontrail hatte ich ähnliche Schwierigkeiten. Und dabei dachte ich, das hätte ich inzwischen im Griff. Schon sehe ich die letzten langen, quälenden Kilometer vor mir, bis eine wahre Segnung erscheint: Eine kleine Gruppe Einheimischer beim Picknick. Ein Glas Essiggurken steht verlockend auf dem Tisch, und kurzerhand frage ich, ob ich eine haben dürfe.

Verpflegungsposten

Zwei Minuten später sitze ich mit am Tisch, geniesse ein Stück Zopf und ein paar Scheiben Käse. Wein und Bier lehne ich dankend ab – das wäre wohl nicht gut gekommen. Erstaunlich, was so ein Stück Brot ausmacht: Der Bauch ist wieder gefüllt, ich fühle mich stark und renne nach zehn Minuten Pause wie frisch geboren weiter. Mentale Notiz: Beim nächsten Lauf über fünf Stunden gehört ein Sandwich, eine Kartoffel oder ein wenig Pasta unbedingt in den Rucksack.

Es geht weiter steil bergab und knapp acht Stunden später erreiche ich das Ziel. Eine stattliche Tour mit 38 km, 2900 m Aufstieg und 3200 m Abstieg.

Kleiner See irgendwo in der Nähe der Alp Kaltenbrunnen